Potsdamer-Spezialitäten-Tour: Niederlande – Russland – Preußen

Im Gegensatz zu Berlin geht es abends in Potsdam bekanntlich um einiges beschaulicher zu. Allen denen, die eine Alternative zum abendlichen Restaurant-, Theater- und Kneipenbesuch suchen, empfehle ich die dynamische, von mir selbstbetitelte Potsdamer-Spezialitäten-Tour.

Obwohl der Titel der Tour ist nicht außerordentlich kreativ ist, trifft er doch im Kern einige kulinarische Besonderheiten, die in dieser Kombination nur Potsdam zu bieten hat.

Aus Liebe und Bewunderung  des einen preußischen Königs für die Niederlande und eines anderen für das russische Zarenreich, sind uns heute noch das Holländische Viertel und die russische Kolonie Alexandrowka erhalten geblieben. Architektonisch einzigartig für Deutschland, sind beide Ensembles nach der Wiedervereinigung aufwändig restauriert worden. Es verwundert nicht, dass sowohl in der russischen Kolonie, als auch im Holländischen Viertel die entsprechende jeweilige landestypische Gastronomie anzutreffen ist.

Niederländisch

Wir starten gegen 18:00 Uhr im Holländischen Viertel mit köstlichen Poffertjes im schönen Café  Poffertjes en Pannekoeken in der Mittelstraße 32.  Poffertjes sind eine niederländische Gebäckspezialität, die kleinen, münzgroßen Pfannkuchen ähnelt und in einer speziellen Pfanne mit entsprechenden Vertiefungen zubereitet werden. Mit kleinen Butterstückchen und viel Puderzucker bestreut sind sie deutlich süßer als unsere Pfannkuchen. In den Niederlanden werden Poffertjes oftmals zusätzlich mit Stroop (Zuckerrübensirup) garniert. Im Poffertjes en Pannekoeken kann man  auch andere Toppings, wie Sahne oder Schokosauce wählen.

Russisch

Dann geht es weiter in die verträumte und dunkel daliegende Kolonie Alexandrowka im Norden der Innenstadt. Die Siedlung aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts besteht aus insgesamt zwölf Gehöften in ausgedehnten Gärten, mit 12 hölzernen, freistehende Giebelhäusern, zwei weiteren hölzernen Gebäuden und der Alexander-Newski-Gedächtniskirche. In der russischen Teestube Alexandrowka Haus 1 haben wir die „Teezeremonie aus dem goldenen Samowar“ vorbestellt. Beim Eintreten vergisst man im überwältigenden Ambiente kurz, dass man in Deutschland ist. Die Teegläser sind bereits eingedeckt und der goldene Samowar steht in der Mitte der langen Tafel, umringt von russischem Teegebäck, Konfekt, Zitrone, Honig  und Konfitüre. Als besonderes Highlight präsentiert Inhaber Thomas Hein sogar noch eine interessante Einführung in die Welt der russischen Teekultur. Der Tee mit seinem leicht rauchigen Aroma, ergänzt mit den bereitstehenden Zutaten ist einfach nur wunderbar! Nach einer kräftigen Runde Wodka geht es weiter zum königlichen Finale der Tour.

Preußisch

Direkt am Jungfernsee, am Rande des Neuen Gartens und in direkter Nachbarschaft zum geschichtsträchtigen Schloss Cecilienhof, kehren wir in die Meierei ein. Hier in der ehemaligen historischen Molkerei des Königshofs gibt es neben brandenburgischer Küche auch selbstgebrautes Bier in verschiedenen Ausführungen. Gerade am Abend ist das ziemlich einsam liegende schlossartige Gebäude mit seiner Terrasse direkt am See mehr als beindruckend. Nach einigen Runden Bier mit unterhaltsamer Moderation der gleichermaßen eloquenten wie sympathischen Bedienung ging es dann wieder zurück ins Hotel. Schade nur, dass die Meierei am Neuen See dank übersensibler BewohnerInnen des angrenzenden Villenviertels bereits um 22:00 Uhr schließen muss!


Bei schönem Wetter kann man die Distanzen zwischen den Stationen gut mit dem Rad zurücklegen. Im Winter oder bei ungünstigem Wetter empfiehlt es sich, auch aus zeitlichen Gründen, zumindest für die Strecke zwischen Alexandrowka und der Meierei im Neuen Garten sowie für den Rückweg zur Innenstadt Taxen zu bestellen.

Bis bald und beste Grüße

Paul

 

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