Kategorie: Isle of Berlin

Villencolonie Alsen am Großen Wannsee

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand am westlichen Ufer des Großen Wannsees die Villencolonie Alsen. Die Kolonie war mit ihren repräsentativen Villen, pächtigen Schlössern, großzügigen Gartenanlagen, Segelclubs und Vereinen reger Mittelpunkt des illustren Lebens des Berliner Großbürgertums. 

Heute erinnern nur noch wenige Häuser an die glanzvolle Welt des Berliner Großbürgertums und an die Bewohner der prächtigen Villen. Schon nach dem Ersten Weltkrieg setze der langsame Niedergang der Kolonie ein, denn einige Bewohner  konnten ihre Villen wegen der Inflation nicht mehr halten und mussten verkaufen. Bis 1941 wurden jüdische Besitzer jüdischer Herkunft vertrieben, enteignet oder ermordet. Ihr Eigentum ging dann in die Hände prominenter Funktionäre über oder wurden für nationalsozialistische Einrichtungen genutzt. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs kam es schließlich noch zu Kriegsschäden, da der Volkssturm hier das Vordringen der Roten Armee in die Innenstadt aufhalten wollte. Viele der verwaisten oder geplünderten Villen dienten nach Kriegsende als Krankenhäuser und Freizeiteinrichtungen der Alliierten oder wurden zu Schullandheimen umgestaltet.



Der Maler Max Liebermann (20.7.1847 – 8.2.1935) ist der heute wohl bekannteste frühere Anwohner der Colonie Alsen. Seine Werke zählen zu den bedeutendsten des deutschen Impressionismus.

Im Sommer 1933 malte er ein letztes Mal die Blumenterrasse in Wannsee. Am 8. Februar 1935 starb Max Liebermann und wurde auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee in Berlin beigesetzt. Nach dem November-Pogrom von 1938 wird seine Frau gezwungen, das Haus am Wannsee zu verkaufen. Um sich der Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt zu entziehen nimmt sich Martha Liebermann, vereinsamt und fast ihres gesamten Vermögens beraubt, 1943 das Leben.

In der Villa von Max Liebermann befindet sich seit 2006 ein Museum mit wechselnden Ausstellungen.



Haus der Wannseekonferenz (Villa Marlier). Am Rande der Colonie Alsen ließ sich der Fabrikant für pharmazeutische Präparate Ernst Marlier 1914/15 eine prächtige Villa mit etwa 1.500 qm Wohnfläche in der heutigen Straße Am Großen Wannsee 56-58 errichten. 1940 erwarb das Anwesen die „Stiftung Nordhaven“ eine Tarnorganisation des RSHA, welche das Gebäude bis 1945 als SS-Gästehaus nutzte und damit zum Tagungsort der Wannsee-Konferenz machte.

Für den 20. Januar 1942 lud der von der NS-Führung mit der „Endlösung der Judenfrage“ beauftragte Reinhard Heydrich 13 Staatssekretäre verschiedener Ministerien sowie hohe Partei- und SS-Funktionäre zu einer „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ in die Villa „Am Großen Wannsee 56-58“ ein. Thema der Konferenz war die Koordinierung der Zusammenarbeit aller an der „Endlösung“ beteiligten Dienststellen. Das Protokoll der Besprechung führte Adolf Eichmann, zuständig für die zentrale Organisation der Deportationen. Durch dieses Protokoll sind die wesentlichen Ergebnisse der Besprechung überliefert. Ein vorrangiges Ziel der Zusammenkunft war die Einbindung der vertretenen Institutionen in die Planung und technisch-organisatorische Umsetzung des Völkermords, der zum Zeitpunkt der Konferenz bereits in vollem Gang war.

1992, zum 50. Jahrestag der Wannsee-Konferenz, wurde die Gedenk- und Bildungsstätte eröffnet. Seit 2006 befindet sich die ständige Ausstellung „Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäische Juden“ in den Räumen der Villa.



Fotos (c) Heart Of Brandenburg

Mein Kiez Teil 3 – Der Ökomarkt auf dem Berliner Kollwitzplatz

 

Unter dem Motto „Morgens geerntet, mittags verkauft“ findet hier schon seit über 20 Jahren jeden Donnerstag von 12 bis 19 Uhr der Ökomarkt der Grünen Liga Berlin statt. Die Umgebung verleiht dem Markt einen einzigartigen Charme und das vielfältige Angebot an Bioprodukten spricht für sich:

Ob Obst und Gemüse, Brotspezialitäten, Käse, Eier, Tofuprodukte, vegane Törtchen und Kuchen, Fleisch und bleifreies Wild, Wein, Lehmofenpizza, Rohkost, Müsli, Waffeln, Yogi-Tee, Indische Gerichte, Suppen, Wildkräuter, Oliven und Öle, Pasta und sogar Wollerzeugnissen…hier stammt alles aus ökologischer Landwirtschaft!

Hier sind unsere Impressionen:

Die mobile Espresso Bar „Melusine“: Kaffeespezialitäten aus Fairtrade-Anbau und auf Wunsch auch mit verschiedenen Pflanzenmilchsorten zubereitet. Nicht nur hier, sondern auch an anderen Standorten in Berlin anzutreffen!

Nicht einschüchtern lassen! Hier bietet Fabio Borsi leckere italienische Gerichte mit handgemachter Pasta an

Handgemachte Tofuspezialitäten gibts bei den Tofu Manufaktur „Soy Rebels“! Entweder hier oder auch in ausgewählten Berliner Bioläden.

Die Feinkost Manufaktur Superfran’s fährt auf dem Ökomarkt köstliche vegane Konditorei-Spezialitäten auf!

Cou Cou Wines präsentiert sich mit französischen Bioweinen. Wer es nicht auf den Markt am Kollwitzplatz schafft, kann sich die edlen Tropfen auch innerhalb einer Stunde im Berliner Stadtgebiet liefern lassen!

Und hier werden werden echte griechische Oliven & Olivenöl von einem waschechten Griechen angeboten!

Wie Ihr seht, haben wir hier eine tolle Zeit verbracht, engagierte und super sympathische Marktleute kennengelernt und selbstverständlich auch fast alles probiert! Eine Berliner Attraktion eben, die man sich nicht entgehen lassen sollte!


 

Der Mauerweg Teil 1: Grenze zwischen Berlin & Brandenburg

Seen, Felder, Wälder und historische Highlights

Der Berliner Mauerweg folgt auf ca. 160 Kilometern dem Verlauf der ehemaligen DDR-Grenzanlagen rund um West-Berlin. In den meisten Abschnitten verläuft die Rad- und Wanderroute auf dem ehemaligen Zollweg (West-Berlin) oder auf dem so genannten Kolonnenweg, den die DDR-Grenztruppen für ihre Kontrollfahrten angelegt hatten.

Video (c) Heart Of Brandenburg / Musik (c) Fjell

Obwohl der Mauerweg ausgeschildert ist und in regelmäßigen Abständen Übersichtspläne die Orientierung erleichtern, sollten sich Radfahrer vor der Tour über den Streckenverlauf informieren, da man bei zügigem Tempo die nicht immer optimal angebrachten Schilder auch schon mal übersehen kann. Da die Strecke teilweise auch über Schotter- und Waldweg führt, empfehlen wir eine robuste Bereifung.

Der besondere Reiz der Tour liegt in der Kombination von abwechslungsreichen Landschaften und der geschichtlichen Bedeutung des Weges: An verschieden Stationen wird auf Infostelen über die Teilung Deutschlands, den Bau und den Fall der Berliner Mauer informiert. Mit Fotografien und Texten werden Ereignisse geschildert, die sich am jeweiligen Standort zugetragen haben und die politische Situation sowie den Alltag in der geteilten Stadt in Erinnerung rufen.

Fotos: Heart Of Brandenburg „Vom Mauerpark bis Spandau“

Unsere erste Etappe führt uns auf ca. 50 Kilometern vom Berliner Mauerpark über Hohen Neuendorf und Henningsdorf nach Spandau. Dieses Teilstück ist besonders gut ausgebaut und durchweg sehr gut befahrbar.

Ausgewählte Highlights der Etappe:

Lübars: Mitten im Fließtal, umgeben von Wiesen und Feldern, liegt das typisch märkische Angerdorf Lübars. Es ist das einzige erhaltene Dorf im Berliner Stadtgebiet und wird heute noch landwirtschaftlich, vor allem für Pferdehaltung, genutzt.

Entenschnabel: Die Straße ‚Am Sandkrug‘ ragte wie ein ‚Entenschnabel“ von Glienicke (DDR) nach Frohnau (West-Berlin) hinein. Wegen der besonderen Lage durfte die Siedlung damals nur mit einer Sondererlaubnis betreten werden.

Invalidensiedlung: Ab 1937 wurden hier am nördlichsten Rand von Frohnau für Versehrte des Ersten Weltkriegs 50 behindertengerechte zweigeschossige Klinkerbauten mit 150 Wohnungen sowie Wirtschafts- und Gemeinschaftsgebäude gebaut.

Wer wie wir die Mauerwegtour in Spandau unterbrechen möchte, kann mit der Regionalbahn vom Bahnhof Albrechtshof zurück in die Berliner Innenstadt fahren.


Fortsetzung folgt

 

 

 

 

 

Mein Kiez Teil 2 -Vom Rosenthaler Platz bis zur Zionskirche

Hallo aus Berlin,

heute geht es in „Mein Kiez“ vom Rosenthaler Platz über den Weinbergspark bis zur Zionskirche. Rund um den Weinbergspark in Berlin-Mitte hat sich seit den frühen Nullerjahren ein sehr lebenswertes Innenstadtquartier entwickelt, welches über die berühmten Kastanienallee – vor ein paar Jahren auch Casting-Allee genannt – nahtlos in Prenzlauer Berg übergeht. 

Titelfoto und Fotos 1-3: Markus Rack Photography

Rund um Rosenthaler Platz und Weinbergspark gibt es viel zu entdecken!

Der Weinbergsweg mit seinen hippen Cafés ist schon lange ein Anziehungspunkt für Anwohner und Touristen: DalumaGalãoGorki Park – eines der ältesten Cafés im Kiez – und das Café Fleury säumen den Weg. Dann gehts weiter bergauf vorbei am Park in Richtung Kastanienallee. Obwohl das Wohngebiet im Umfeld des Weinbergspark mit zu den kinderreichsten Kiezen in Berlin gehört, wurde der Park jahrelang vernachlässigt. Erst nachdem Anwohner mit Unterschriften und Protesten die Instandsetzung einforderten, um auch der dort damals fast schon etablierten Drogenszene entgegenzutreten, stellte der Senat seit Ende 2005 Gelder für die Sanierung zur Verfügung.

Fotos (c) Heart Of Brandenburg

Mittlerweile hat sich alles entspannt und der Park ist im Sommer der Anlaufpunkt zum Sonnenbaden, chillen und ist mit seinem Wasserbecken und dem angrenzenden Spielplatz auch ein toller Ort für Kinder. Vom Frühling bis zum Herbst hat außerdem noch der Rosengarten Kulturpavillion mit seinem tollen Rahmenprogramm, welches von DJ-Sets bis zu Filmabenden reicht, geöffnet.

Fotos 1-3 & 5 (c) Heart Of Brandenburg, Foto 4 (c) Markus Rack Photography

Bevor wir über die Fehrbelliner Straße weiter zum Zionskirchplatz vordringen, sollte das Sababa auf der unteren Kastanienallee nicht unerwähnt bleiben: Sababa – Mama’s Kitchen bietet israelische Spezialitätenund und versteht sich als Berlins Hummus Hotspot und ist für mich neben Feinberg’s in Schöneberg eins der besten israelischen Restaurants der Hauptstadt.

In der Fehrbelliner Straße  ist das La Focacceria schon seit vielen Jahre eine Institution. Die große Auswahl an leckeren Foccacias kann man im Sommer gemütlich vor dem kleinen Restaurant genießen oder direkt mit in den Weinbergspark nehmen. Schräg gegenüber gibts dann schon die nächste Institution: Die Weinerei mit ihrem 60er-Jahre-Flair, tagsüber Café und am Abend Weinbar, gehört für mich zu den schönsten Läden im Kiez!

Die Zionskirche steht auf einer der höchsten natürlichen Erhebungen Berlins.In der Zionskirche predigte und von 1931 – 32 Dietrich Bonhoeffer, der durch seinen aktiven Widerstand gegen den NS-Staat berühmt wurde. Vor der Wiedervereinigung war in der Kirche die Umwelt-Bibliothek untergebracht. Sie war die einzige freie Druckerei der DDR. Hier druckten Oppositionelle Flugblätter und Untergrundzeitschriften. Heute ist der Zionskirchplatz für mich einer der schönsten und entspanntesten Orte der Stadt und seit der Sanierung fühlt man sich manchmal wie in einer Babelsberger Filmkulisse. Direkt gegenüber vom Kirchturm befindet sich dann noch das wunderbare kleine Restaurant La Bigoudène mit Crêpes und saisonale bretonischen Spezialitäten.

 

Allen, denen das zu idyllisch ist, kann ich noch das Dave Lombardo empfehlen. Das Dave mit der „Rockpalast“-Leuchtreklame eignet sich bestens für lange Abende bei Bier, Zigaretten und guter Musik!

Viele Grüße und bis bald

Paul

Mein Kiez Teil 1

Mein Kiez Teil 1 – Vom Hackeschen Markt bis zur Torstraße

Titelfoto  Markus Rack Photography

 

Hallo aus Berlin,

während ich in den vergangenen Jahren überwiegend in Kreuzberg und Neukölln unterwegs war, habe ich seit einiger Zeit Mitte und Prenzlauer Berg für mich wiederentdeckt. Da die beiden Bezirke eben nicht nur Kommerz, Gentrifizierung und Touri-Hype zu bieten haben, stellt Heart Of Brandenburg in den nächsten Wochen einige besondere Orte aus unserem Kiez zwischen Hackescher Markt und Danziger Straße vor.


Teil 1: Heute gehts vom Hackeschen Markt über das Scheunenviertel bis zur Torstraße

Ein Ort aus einer anderen Zeit: Haus Schwarzenberg

Am Hackeschen Markt zwischen Starbucks und MCM gibt es in der Rosenthaler Straße noch einen anachronistisch anmutenden Ort, der die städtebauliche Entwicklung der vergangenen 2 Jahrzehnte überdauert hat, bzw. so konserviert wurde, dass er uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

Die Spandauer Vorstadt war Ende der 80er ein einfaches Ostberliner Arbeiterquartier, dessen Altbausubstanz  dem Verfall preisgegeben war. In dem von Baulücken geprägten Areal rund um den Hackeschen Markt war damals an Shopping und Ausgehen nicht zu denken. Nur ein paar alte Bierkneipen, wie Sophien- oder Münzclub hatten die Jahrzehnte überlebt. Das Café Cinema war dann eines der ersten neuen Cafés im Kiez und eröffnete einen Tag vor der Wiedervereinigung. Doch anders als die „neue Mitte“ Berlins hat sich hier bis heute kaum etwas verändert.

Zu verdanken ist dies dem 1995 gegründeten Verein „Schwarzenberg e.V.“, der das Erscheinungsbild und die kreative Mischnutzung des seit Wendezeiten dem Verfall überlassene Gebäudeensembles geprägt hat.

Kreuzberg Berlino

Heute haben hier neben Künstlern mit ihren Ateliers,  auch die Galerie Neurotitan, der Club Eschschloraque, das Monsterkabinett und das Programmkino Central ihre Heimat gefunden.

Das Café Cinema gehört mit seinem dunklen Ambiente unter vergilbten Filmplakaten und gedimmten Scheinwerfern und nicht zuletzt mit seinem schummerigen Raucherraum schon seit Jahren zu meine Favoriten in Mitte. Im Sommer kann man auch im Hof sitzen und dann durch den Hinterhof schlendern.

Mit dem Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt, dem Anne-Frank-Zentrum sowie der zur Gedenkstätte Deutscher Widerstand gehörenden Gedenkstätte Stille Helden, befinden sich hier bedeutende Dauerausstellungen:

Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt

Otto Weidt war Besitzer der jüdischen Blindenwerkstatt am Hackeschen Markt. Während des Holocaust stellte sich Weidt schützend vor seine MitarbeiterInnen und rettete so mehreren BerlinerInnen jüdischen Glaubens das Leben. Dafür wurde er in Jad Vashem als Gerechter unter den Völkern geehrt.

Anne Frank Zentrum

Das Anne Frank Zentrum ist die deutsche Partnerorganisation des Anne Frank Hauses in Amsterdam. Mit Ausstellungen und Bildungsangeboten erinnert das Zentrum an Anne Frank und ihr Tagebuch.

Gedenkstätte Stille Helden

Die Dauerausstellung informiert über die Verfolgung und die Zwangslage der Juden angesichts der drohenden Deportationen, über den Entschluss einzelner, sich durch Flucht in den Untergrund der tödlichen Bedrohung zu widersetzen, sowie über das Handeln und die Motive der Frauen und Männer, die ihnen halfen.

Infos: Haus Schwarzenberg, Rosenthalerstraße 39, 10178 Berlin

 

Ausgelöschte Welt – Das Scheunenviertel

Das Scheunenviertel ist für mich immer schon ein ganz besonderer Ort gewesen: Straßenkämpfe während der Revolution 1919, Heimat der berüchtigten Ringvereine, Standort verruchter Kneipen wie Café Mexiko oder Mulackritze und nicht zuletzt das Zentrum der JüdInnen aus Osteuropa. Berlin war Zwischenstation und Zufluchtsort für Tausende von JüdInnen aus Osteuropa, die vor Krieg, Pogromen oder der Novemberrevolution aus Russland, Litauen und Galizien geflohen waren. Für ein gutes Jahrzehnt wurde das Scheunenviertel zum Zentrum jüdischer Migration in Europa. Zentrum war die damalige Grendierstraße, die heutige Almstadtstraße.

Bundesarchiv Bild 183-1987-0413-502, Berlin, im Scheunenviertel, Juden.jpg
Foto: P. Buch; von Bundesarchiv, Bild 183-1987-0413-502 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

Synagogen, Talmudschulen, Bethäuser, kleine Kabaretts und Theater, Buch- und Lebensmittelläden prägten hier das Stadtbild. Doch schon Ende der 1920er verlor das Scheunenviertel als kulturelles und Lebensmittelpunkt der JüdInnen aus Osteuropa an Bedeutung, denn  viele wurden einfach abgeschoben, emigrierten in die USA oder wurden nach dem Judenboykott von 1933 in sog. wilden Konzentrationslagern interniert. Bis 1942 wurden die verbliebenen JüdInnen in die Todeslager im Osten deportiert und ermordet.

 

Bundesarchiv Bild 183-1987-0413-501, Berlin, im Scheunenviertel, Straßenhandel.jpgFoto: P.Buch; von Bundesarchiv, Bild 183-1987-0413-501 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

Durch Zerstörung im 2. Weltkrieg und Vernachlässigung in den folgenden Jahrzehnten verfiel das Scheunenviertel dann endgültig. Marode Bausubstanz, öde und dunkle Straßenzüge prägten fortan das Stadtbild. Nur vereinzelt konnte man an den Häuserwänden verblichene Schriftzüge und wenige Erinnerungen an die früheren Bewohner ausmachen.

Nach der Wiedervereinigung hat sich die Gegend dann mit neuen Bewohnern, Geschäften und Gastronomie in einen beliebten und schicken Kiez verwandelt. Bis auf die Stolpersteine gibt heute leider kaum noch Indizien auf die früheren BewohnerInnen und die bewegte und dramatische Geschichte des Viertels.

 

Prassnik: „Die perfekte Emulation einer HO-Gaststätte“

In der Torstraße hat sich in den letzten Jahren viel getan: Nicht nur der Verkehr scheint sich jedes Jahr zu vervielfachen, sondern auch Pop Up Stores, Kneipen, Bars und kleine Gastrobuden schießen wie Pilze aus dem Boden. Während das Baiz schon in die Schönhauser Allee ausweichen musste, sind Kaffee Burger und das Prassnik noch alte Bekannte.

Die Gaststätte Prassnik ist mein absoluter Favorit. Denn hier wird perfekte DDR-Illusion geboten: Den Boden bedeckt türkis-braunrotes Linolium-Schachbrett, die Wände präsentieren sich zur Hälfte mit vermeintlicher Ostblockoriginalfarbe und Siebzigerjahretapete. Großartig! Denn hier ist der Service super, das Publikum angenehm, das Bier günstig und es herrscht immer eine relaxte Stimmung.

Prassnik, Torstraße 65,10119 Berlin, tägl. ab 19:00 Uhr

Beste Grüße

Paul

 

Fazinierende Orte in Berlin: Das Schöneberger Südgelände

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich in Mitte wohne, denn der Natur-Park Südgelände in Tempelhof-Schöneberg war mir bisher kein Begriff. 

Wilde Natur, Kunst, Technikrelikte

Auf dem Areal eines ehemaligen Rangierbahnhofs ist eine fazinierende Naturlandschaft mit Kunstobjekten und Technikdenkmälern von Lockschuppen über verrostete Eisenbahnschienen, bis hin zu Relikten aus Zeiten der Dampfloks entstanden.

„Nachdem […] 1952 der Bahnbetrieb eingestellt wurde, eroberte sich die Natur das Terrain nach und nach zurück. Aus der Bahnwüste entstanden wertvolle Trockenrasen, Hochstaudenflure und ein urwüchsiger Wald – ohne den Einfluss des Menschen. Als in den 19 70er Jahren Pläne bekannt wurden, den Güterbahnhof zu reaktivieren, hatten Naturliebhaber die erstaunliche Artenvielfalt auf dem Gelände bereits entdeckt und sich als Bürgerinitiative für deren Erhalt eingesetzt. Bereits 1999 wurden große Teile des Geländes zum Landschafts- und Naturschutzgebiet erklärt. Dort gibt es heute eine Vielzahl seltener und vom Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen.“ Quelle: Grün Berlin

Im Mai 2000 wurde dann der Natur-Park Schöneberger Südgelände als Weltweites EXPO-Projekt eröffnet.

Stahlkunstwerken wie Stege, Baumhäuser oder Röhrender der Bildhauergruppe ODIOUS durchziehen den Park und gehen mit Schienen und andere Technikrelikte und nicht zuletzt mit der üppigen Pflanzenwelt eine fast symbiotische Beziehung ein.

Dabei bleibt die Geschichte des Geländes stets präsent: Der schon vom weiten sichtbare stählerne Wasserturm, der riesige Lokschuppen, eine Schiebebühne und sogar eine echte Dampflock prägen das Gesicht des Parks und schaffen zusammen mit Kunst und wilder Natur eine fazinierend morbide Atmosphäre.

In der ehemaligen Brückenmeisterei befindet sich außerdem noch das schönes Café Paresued, in dem Sonntags ein üppig gebruncht werden kann (Voranmeldung!)

Gründe genau also, um diesem besonderen Park mal einen Besuch abzustatten. Sei es nun für entspannte Spaziergänge oder um interessante Fotomotive einzufangen!

Info:

Natur-Park Südgelände

Prellerweg 47 – 49
12157 Berlin

Geöffnet ist täglich ab 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit. Der Eintritt kostet  1,00 € pro Person (ab 14 Jahren).

Prenzlauer Berg at night: Around Berlin’s Kastanienallee

Prenzlauer Berg has always been a beautiful and inspiring part of Berlin

Being one of Berlin’s most popular district to live in, Prenzlauer Berg has been always centre of attraction to many artists and creative people. As many of the buildings survived World War II’s destruction, today most of it’s impressive and style-defining architecture is presently unter monumental protection. Surrounded by vivid history there are many relaxing cafes, brilliant restaurants, extraordinary shops and many hidden treasures.

We met Berlin based photographer Markus Rack for a little excursion to explore the area around Kastanienallee at night and proudly present some of his works.

Best regards, see you

Paul

Der schöne Sonntagnachmittag – Berlin Mauerpark

Hallo aus Berlin,

am vergangenen Sonntag bin ich mal wieder im Mauerpark gewesen. Obwohl ich ganz in der Nähe wohne, habe ich dieses Sonntagnachmittags-Highlight in der letzten Zeit leider etwas vernachlässigt. Zu Unrecht!

Denn auf dem ehemaligen Mauerstreifen zwischen Berlin Wedding und Prenzlauer Berg treffen sich an besonders hoch frequentierten Sonntagen bis zu 40.000 BesucherInnen, BerlinerInnen, TouristInnen, KünstlerInnen, MusikerInnen, FlaschensammlerInnen, HändlerInnen, Hunde und Hündinnen, um ein Festival zu feiern, welches seines gleichen sucht. In der britischen „Time Out“ findet sich der Mauerpark sogar an 3. Stelle der Berliner Top-Attraktionen.

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Hier wird gegrillt, bis das Ordnungsamt kommt, Jungendliche und Erwachsene sitzen im Gras, trinken Bier und chillen, Kinder schaukeln, Sprayer sprayen, im großen Amphitheater findet Joe Hatchiban’s Karaoke statt und an verschiedenen Orten treten Bands und Solokünstler mit einem vielfältigen Programm auf, welches von Reagge über Funk bis hin zu Electro reicht.

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Dann ist da noch der große Flohmarkt, auf dem von Schallplatten, über Fahrräder, Elektronik bis hin zu Einrichtungs- und Gebrauchsgegenständen, ob nun Vintage oder Standard, auch jede Menge extravagante Kleidung und Accessoires angeboten werden.

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03 Berlin Mauerpark

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7 Berlin mauerpark

IMG_1800Am Stand von Josi und Foxi Brown…

 

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Nach ein paar Drinks im Mauersegler, gehts zurück in Richtung Kastanienallee mit dem obligatorischen Zwischenstopp in der Oderberger. Die breite Straße mit den imposanten Gründerzeithäusern bildet neben der Eberswalder Straße die Haupteinfallschneise in den Mauerpark und hat nicht zuletzt durch den Film „Meine Oderberger Straße“ von Freya und Nadja Klier deutschlandweit Berühmtheit erlangt.

IMG_0372Foto: Infotafel Bernauer Straße (abfotografiert)

Während hier bis 1989 die DDR zu Ende und an Partysonntage im Park nicht zu denken war, findet man hier seit den späten 90ern tolle Restaurants, Bars, Cafes und Shops…

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… und eben auch meinen Lieblingsinder Naan. Ohne viel Schnickschnack und Folklore werden hier sehr leckere und gut gewürzte traditionelle Gerichte vom Indischen Subkontinent serviert. Neben den günstigen Preisen, gibts auch noch einen sehr netten Service und eine große Auswahl an vegetarischen sowie veganen Gerichten.

22-naanFoto: restaurant-naan.de

Dann ist der Sonntag auch schon wieder vorbei… aber nur fast! Denn zum Finale gibts noch einen Absacker im Dave Lombardo am Zionskirchplatz.

Bis bald und beste Grüße

Euer Paul

Infos zum Mauerpark

Infos zum Flohmarkt