Villencolonie Alsen am Großen Wannsee

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand am westlichen Ufer des Großen Wannsees die Villencolonie Alsen. Die Kolonie war mit ihren repräsentativen Villen, pächtigen Schlössern, großzügigen Gartenanlagen, Segelclubs und Vereinen reger Mittelpunkt des illustren Lebens des Berliner Großbürgertums. 

Heute erinnern nur noch wenige Häuser an die glanzvolle Welt des Berliner Großbürgertums und an die Bewohner der prächtigen Villen. Schon nach dem Ersten Weltkrieg setze der langsame Niedergang der Kolonie ein, denn einige Bewohner  konnten ihre Villen wegen der Inflation nicht mehr halten und mussten verkaufen. Bis 1941 wurden jüdische Besitzer jüdischer Herkunft vertrieben, enteignet oder ermordet. Ihr Eigentum ging dann in die Hände prominenter Funktionäre über oder wurden für nationalsozialistische Einrichtungen genutzt. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs kam es schließlich noch zu Kriegsschäden, da der Volkssturm hier das Vordringen der Roten Armee in die Innenstadt aufhalten wollte. Viele der verwaisten oder geplünderten Villen dienten nach Kriegsende als Krankenhäuser und Freizeiteinrichtungen der Alliierten oder wurden zu Schullandheimen umgestaltet.



Der Maler Max Liebermann (20.7.1847 – 8.2.1935) ist der heute wohl bekannteste frühere Anwohner der Colonie Alsen. Seine Werke zählen zu den bedeutendsten des deutschen Impressionismus.

Im Sommer 1933 malte er ein letztes Mal die Blumenterrasse in Wannsee. Am 8. Februar 1935 starb Max Liebermann und wurde auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee in Berlin beigesetzt. Nach dem November-Pogrom von 1938 wird seine Frau gezwungen, das Haus am Wannsee zu verkaufen. Um sich der Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt zu entziehen nimmt sich Martha Liebermann, vereinsamt und fast ihres gesamten Vermögens beraubt, 1943 das Leben.

In der Villa von Max Liebermann befindet sich seit 2006 ein Museum mit wechselnden Ausstellungen.



Haus der Wannseekonferenz (Villa Marlier). Am Rande der Colonie Alsen ließ sich der Fabrikant für pharmazeutische Präparate Ernst Marlier 1914/15 eine prächtige Villa mit etwa 1.500 qm Wohnfläche in der heutigen Straße Am Großen Wannsee 56-58 errichten. 1940 erwarb das Anwesen die „Stiftung Nordhaven“ eine Tarnorganisation des RSHA, welche das Gebäude bis 1945 als SS-Gästehaus nutzte und damit zum Tagungsort der Wannsee-Konferenz machte.

Für den 20. Januar 1942 lud der von der NS-Führung mit der „Endlösung der Judenfrage“ beauftragte Reinhard Heydrich 13 Staatssekretäre verschiedener Ministerien sowie hohe Partei- und SS-Funktionäre zu einer „Besprechung mit anschließendem Frühstück“ in die Villa „Am Großen Wannsee 56-58“ ein. Thema der Konferenz war die Koordinierung der Zusammenarbeit aller an der „Endlösung“ beteiligten Dienststellen. Das Protokoll der Besprechung führte Adolf Eichmann, zuständig für die zentrale Organisation der Deportationen. Durch dieses Protokoll sind die wesentlichen Ergebnisse der Besprechung überliefert. Ein vorrangiges Ziel der Zusammenkunft war die Einbindung der vertretenen Institutionen in die Planung und technisch-organisatorische Umsetzung des Völkermords, der zum Zeitpunkt der Konferenz bereits in vollem Gang war.

1992, zum 50. Jahrestag der Wannsee-Konferenz, wurde die Gedenk- und Bildungsstätte eröffnet. Seit 2006 befindet sich die ständige Ausstellung „Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäische Juden“ in den Räumen der Villa.



Fotos (c) Heart Of Brandenburg

Mein Kiez Teil 1 – Vom Hackeschen Markt bis zur Torstraße

Titelfoto  Markus Rack Photography

 

Hallo aus Berlin,

während ich in den vergangenen Jahren überwiegend in Kreuzberg und Neukölln unterwegs war, habe ich seit einiger Zeit Mitte und Prenzlauer Berg für mich wiederentdeckt. Da die beiden Bezirke eben nicht nur Kommerz, Gentrifizierung und Touri-Hype zu bieten haben, stellt Heart Of Brandenburg in den nächsten Wochen einige besondere Orte aus unserem Kiez zwischen Hackescher Markt und Danziger Straße vor.


Teil 1: Heute gehts vom Hackeschen Markt über das Scheunenviertel bis zur Torstraße

Ein Ort aus einer anderen Zeit: Haus Schwarzenberg

Am Hackeschen Markt zwischen Starbucks und MCM gibt es in der Rosenthaler Straße noch einen anachronistisch anmutenden Ort, der die städtebauliche Entwicklung der vergangenen 2 Jahrzehnte überdauert hat, bzw. so konserviert wurde, dass er uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt.

Die Spandauer Vorstadt war Ende der 80er ein einfaches Ostberliner Arbeiterquartier, dessen Altbausubstanz  dem Verfall preisgegeben war. In dem von Baulücken geprägten Areal rund um den Hackeschen Markt war damals an Shopping und Ausgehen nicht zu denken. Nur ein paar alte Bierkneipen, wie Sophien- oder Münzclub hatten die Jahrzehnte überlebt. Das Café Cinema war dann eines der ersten neuen Cafés im Kiez und eröffnete einen Tag vor der Wiedervereinigung. Doch anders als die „neue Mitte“ Berlins hat sich hier bis heute kaum etwas verändert.

Zu verdanken ist dies dem 1995 gegründeten Verein „Schwarzenberg e.V.“, der das Erscheinungsbild und die kreative Mischnutzung des seit Wendezeiten dem Verfall überlassene Gebäudeensembles geprägt hat.

Kreuzberg Berlino

Heute haben hier neben Künstlern mit ihren Ateliers,  auch die Galerie Neurotitan, der Club Eschschloraque, das Monsterkabinett und das Programmkino Central ihre Heimat gefunden.

Das Café Cinema gehört mit seinem dunklen Ambiente unter vergilbten Filmplakaten und gedimmten Scheinwerfern und nicht zuletzt mit seinem schummerigen Raucherraum schon seit Jahren zu meine Favoriten in Mitte. Im Sommer kann man auch im Hof sitzen und dann durch den Hinterhof schlendern.

Mit dem Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt, dem Anne-Frank-Zentrum sowie der zur Gedenkstätte Deutscher Widerstand gehörenden Gedenkstätte Stille Helden, befinden sich hier bedeutende Dauerausstellungen:

Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt

Otto Weidt war Besitzer der jüdischen Blindenwerkstatt am Hackeschen Markt. Während des Holocaust stellte sich Weidt schützend vor seine MitarbeiterInnen und rettete so mehreren BerlinerInnen jüdischen Glaubens das Leben. Dafür wurde er in Jad Vashem als Gerechter unter den Völkern geehrt.

Anne Frank Zentrum

Das Anne Frank Zentrum ist die deutsche Partnerorganisation des Anne Frank Hauses in Amsterdam. Mit Ausstellungen und Bildungsangeboten erinnert das Zentrum an Anne Frank und ihr Tagebuch.

Gedenkstätte Stille Helden

Die Dauerausstellung informiert über die Verfolgung und die Zwangslage der Juden angesichts der drohenden Deportationen, über den Entschluss einzelner, sich durch Flucht in den Untergrund der tödlichen Bedrohung zu widersetzen, sowie über das Handeln und die Motive der Frauen und Männer, die ihnen halfen.

Infos: Haus Schwarzenberg, Rosenthalerstraße 39, 10178 Berlin

 

Ausgelöschte Welt – Das Scheunenviertel

Das Scheunenviertel ist für mich immer schon ein ganz besonderer Ort gewesen: Straßenkämpfe während der Revolution 1919, Heimat der berüchtigten Ringvereine, Standort verruchter Kneipen wie Café Mexiko oder Mulackritze und nicht zuletzt das Zentrum der JüdInnen aus Osteuropa. Berlin war Zwischenstation und Zufluchtsort für Tausende von JüdInnen aus Osteuropa, die vor Krieg, Pogromen oder der Novemberrevolution aus Russland, Litauen und Galizien geflohen waren. Für ein gutes Jahrzehnt wurde das Scheunenviertel zum Zentrum jüdischer Migration in Europa. Zentrum war die damalige Grendierstraße, die heutige Almstadtstraße.

Bundesarchiv Bild 183-1987-0413-502, Berlin, im Scheunenviertel, Juden.jpg
Foto: P. Buch; von Bundesarchiv, Bild 183-1987-0413-502 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

Synagogen, Talmudschulen, Bethäuser, kleine Kabaretts und Theater, Buch- und Lebensmittelläden prägten hier das Stadtbild. Doch schon Ende der 1920er verlor das Scheunenviertel als kulturelles und Lebensmittelpunkt der JüdInnen aus Osteuropa an Bedeutung, denn  viele wurden einfach abgeschoben, emigrierten in die USA oder wurden nach dem Judenboykott von 1933 in sog. wilden Konzentrationslagern interniert. Bis 1942 wurden die verbliebenen JüdInnen in die Todeslager im Osten deportiert und ermordet.

 

Bundesarchiv Bild 183-1987-0413-501, Berlin, im Scheunenviertel, Straßenhandel.jpgFoto: P.Buch; von Bundesarchiv, Bild 183-1987-0413-501 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

Durch Zerstörung im 2. Weltkrieg und Vernachlässigung in den folgenden Jahrzehnten verfiel das Scheunenviertel dann endgültig. Marode Bausubstanz, öde und dunkle Straßenzüge prägten fortan das Stadtbild. Nur vereinzelt konnte man an den Häuserwänden verblichene Schriftzüge und wenige Erinnerungen an die früheren Bewohner ausmachen.

Nach der Wiedervereinigung hat sich die Gegend dann mit neuen Bewohnern, Geschäften und Gastronomie in einen beliebten und schicken Kiez verwandelt. Bis auf die Stolpersteine gibt heute leider kaum noch Indizien auf die früheren BewohnerInnen und die bewegte und dramatische Geschichte des Viertels.

 

Prassnik: „Die perfekte Emulation einer HO-Gaststätte“

In der Torstraße hat sich in den letzten Jahren viel getan: Nicht nur der Verkehr scheint sich jedes Jahr zu vervielfachen, sondern auch Pop Up Stores, Kneipen, Bars und kleine Gastrobuden schießen wie Pilze aus dem Boden. Während das Baiz schon in die Schönhauser Allee ausweichen musste, sind Kaffee Burger und das Prassnik noch alte Bekannte.

Die Gaststätte Prassnik ist mein absoluter Favorit. Denn hier wird perfekte DDR-Illusion geboten: Den Boden bedeckt türkis-braunrotes Linolium-Schachbrett, die Wände präsentieren sich zur Hälfte mit vermeintlicher Ostblockoriginalfarbe und Siebzigerjahretapete. Großartig! Denn hier ist der Service super, das Publikum angenehm, das Bier günstig und es herrscht immer eine relaxte Stimmung.

Prassnik, Torstraße 65,10119 Berlin, tägl. ab 19:00 Uhr

Beste Grüße

Paul